Karl´s Kreislauftauchgeräte Seite

Dekompression

 

Die Dekompressionsberechnung beim Kreislaufgerätetauchen unterscheidet sich von der bei einfachen offenen Tauchgeräten.

Alle Berechnungen auf dieser Seite werden für Nitrox durchgeführt, bei Heliox und Trimix sind die Rechengänge ähnlich.
Was sich ändert wenn man in die Deco-Table sieht ist nur das man nicht die maximale Tiefe entsprechend der Tiefenmesser Anzeige sondern deren Luft-Äquvalent (Equivalent Air Depth
= EAD) verwendet. Die Umrechnung ergibt sich aus den Informationen die man über den Tauchgang, das Tauchgerät und das geatmete Gas hat. Spezielle Tabellen berücksichtigen die andere Gaszusammensetzung, sprich die schnellere Entsättigung, auf den Dekostufen.
(Sicher, ich meine nicht das man eine EAD für Trimix oder Heliox berechnen kann  )

Wenn man ein Sauerstoff-Kreislauftauchgerät verwendet braucht man nicht über die Dekompression nachzudenken, man atmet "100%" Sauerstoff, daher ist 1) kein Inertgas zu dekomprimieren 2) aufgrund der Sauerstoff-Toxizität kann man nur Tauchgänge im Flachwasserbereich machen, es ist also die Sauerstoff-Partialdruck-Zeit die man beim Tauchen mit einem derartigen Gerät beachten muß und die man beim einfachen Preßluft-Tauchgerät (21% O2) vernachlässigen konnte.

Beim Tauchen mit einem CCCR (Chemical-Mixedgas-Rebreather = Chemikal-Mischgas-Kreislauftauchgerät) wie zum Beispiel dem legendären IDA71 entspricht die Berechnung der beim Offensystemischen Tauchen mit dem selben Gas in der Flasche. (Sicher, man sollte lieber ein paar Sicherheitszuschläge machen, oder (viel besser) einen den Atemkreis-ppO2 messenden Tauchcomputer, der die Deko-, Paul Bert- and Liorraine Smith- Berechnungen übernimmt, einsetzen.)
EAD[m]=(Tiefe[m]+10m)((100%-%O2
Tank)/79%)-10m

Ein Halbgeschlossenes Kreislauftauchgerät (Semiclosed-Rebreather = SCR) bedeutet etwas mehr Rechenaufwand, denn denn man atmet nicht Gas mit genau dem Sauerstoff-Anteil wie in der Flasche. Bei einem "Active Flow-SCR", wie dem Dräger Atlantis/Dolfin, ändert sich der O2-Anteil. Wenn man keinen ppO2-messenden Dekocomputer verwendet (m.E. sollte man bei Mischgas-Kreislauftauchgeräten grundsätzlich mit Sensoren, also z.B. einem derartigen Computer, tauchen) muß man zur Berechnung die beiden Extemfälle berücksichtigen: man verwendet also den höchsten ppN2 für die Deco-Berechnung (also den niedrigsten ppO2) und den höchsten ppO2 für O-Tox.
FiO2 = Sauerstoffanteil des eingeatmeten Gases (Inspiratorive O2 Fraction)
VvO2 = vom Körper verbrauchtes O2 (von 0,5bar*l/min bis 2,5bar*l/min)
Vs = das zudosierte Mischgas [bar*l/min] (der "active-flow" Düse)
FsO2 = Sauerstoffanteil in der Flasche (NOAA2=Nitrox-36 bedeutet FsO2=0,36)
FiO2=((Vs*FsO2)-VvO2)/(Vs-VvO2)
EAD[m]=(Tiefe[m]+10m)((1-FiO2)/0,79)-10m
EAD[m]=(Tiefe[m]+10m)((1-(((Vs*FsO2)-1,5bar*l/min)/(Vs-1,5bar*l/min)))/0,79)-10m
Bei einem Passive Flow-SCR wie dem Halcyon-Rebreather ändert sich der O2%-Satz nicht so sehr, aber das Prinzip ist vergleichbar, man kann nicht einfach den O2-Anteil in der Flasche verwenden, sondern man muß berechnen innerhalb welches O2%-Bereiches sich das Einatemgas bewegt.

Elektronisch geregelte Kreislauftauchgeräte (Electronic-Closed-Rebreather = CCR) verwenden einen konstanten ppO2, für sie gilt:
EAD[m]=((100/79)*(Tiefe[m]/(10m/bar)+1bar)-ppO2[bar])*(10m/bar)-10m

Bei Liquid-Rebreathern atmet man kein Gas sondern eine spezielle Flüssigkeit, daher gibt es dort auch keinen Grund über Dekompression nachzudenken, aber wer von uns hat jemals ein derartiges Tauchgerät in der Realität gesehen und nicht nur im Film "The Abyss".

Cochran ''LIFEGUARD PO2'', a full-functioned dive computer for any pricipe of Nitrox-Rebreather

Wie steht es um die Benutzung eines Computers? Eine gute Idee, aber man sollte natürlich auch nachvollziehen können was er berechnet. Wie oben bereits beschrieben: ein Computer muß wissen welcher ppO2 im Einatemgas herrscht, denn für die Decoberechnung muß er den ppN2 kennen (bei Nitrox gilt: Umgebungsdruck - ppO2 = ppN2). Ein Lösungsansatz besteht darin am Computer einzustellen mit welchem ppO2 oder %O2 man taucht, aber es ist m.E. sicherer einen Computer zu verwenden der den ppO2 mißt, und so auch warnen kann wenn der Sauerstoff Partialdruck den eingestellten Bereich verläßt. Ein Computer sollte m.E. nicht nur die Deco-, sondern auch die Paul Bert- und Liorraine Smith- Berechnungen beherrschen. Ich empfehle eine detaillierte Beschreibung anzufordern wie das jeweilige Modell die beiden Sauerstoff-Toxizitäts Effekte berechnet bevor man sich einen Tauchcomputer anschafft. Der Computer auf dem Bild ist ein Cochran "LIFEGUARD PO2", laut Beschreibung ist er ein Tauchcomputer für jeden Typ von Nitrox-Kreislauftauchgerät, von Links nach Rechts: Sender, Computer, ppO2-Sensor. Einen einfachen Nitrox-Computer der nur für offensystemische Tauchgänge, oder solche mir SCR, gedacht war für Nitrox-ECCR-Tauchgänge zu verwenden ist unter gewissen Einschränkungen jedoch auch eine brauchbare Behelfslösung.

Das Wichtigste zum Thema Dekompression und Kreislauftauchgerät ist jedoch: man kann nur die Tauchgänge machen welche die Bailout Logistic (also das Reserve-/Redundanz-System) erlaubt. Wenn man nur eine Bailout-Flasche für 5 Minuten mitführt sollte man die Finger von decompressionspflichtigen Tauchgängen lassen ! Tauchen Sie sicher, machen Sie niemals dekompressionspflichtige Tauchgänge, wenn sie nicht über ein hinreichendes Redundanzsystem verfügen, planen Sie Ihre Tauchgänge immer so, daß sie auf der sicheren Seite sind.

 

 Rebreather-Index

 

http://Rebreather.de/rebreather/rebreather_deco.html © Karl Kramer, 09.10.1998